ARD: Lieferengpass bei Notfallmedikamenten!

Lieferengpass bei Notfallmedikamenten!

für die ARD PlusMinus.

Bericht: Volker Ide
Kamera: Karin Kresel
Schnitt: Andrea Müller

– Rund 3,5 Prozent der deutschen Bevölkerung reagieren allergisch auf Bienen- oder Wespenstiche.
– Allergiker sollten immer ein Notfallset dabeihaben, um bei einem Stich mit Antihistamin und Adrenalin einen allergischen Schock verhindern zu können.
– Dieser Autoinjektor ist ausgerechnet zur Wespensaison ausverkauft, erst Mitte September soll er wieder lieferbar sein.
– Dauerhafte Hilfe kann Allergikern eine Hyposensibilisierung bringen.

Derzeit sind sie ganz besonders nervig: Kaum sitzt man draußen, sind die Wespen schon im Anflug – und sie sind sehr aggressiv. Durch die lange Wärmeperiode finden die Wespen genug Futter, um sich stark zu vermehren und überall Nester zu bauen. Und das werde wohl noch bis in den September anhalten, vermuten Experten. Wespen sind aber nicht nur nervig, sondern sie stechen auch oft zu – und dann kann es gefährlich werden. Immer wieder bekommen es die Notaufnahmen der Krankenhäuser in diesen Tagen mit Patienten zu tun, die allergisch auf das Wespengift reagieren. Je häufiger ein Mensch gestochen wird, desto höher ist das Allergierisiko. Rund 3,5 Prozent der deutschen Bevölkerung reagieren allergisch auf Bienen- oder Wespenstiche. Doch auch wenn man nicht allergisch ist, aber von mehreren Tieren, oder in den Hals oder Mund, gestochen wird, kann es gefährlich werden, da die Atemwege dichtschwellen können.

Symptome bei anaphylaktischem Schock

Die meisten Wespen sind von Natur aus nicht aggressiv. | Bild: Colourbox

Allergiker bekommen bei einem Stich Herzrasen, Schweißausbrüche und verlieren oft das Bewusstsein – es kommt zu einem sogenannten anaphylaktischen Schock. Der Körper reagiert auf das Gift mit einer starken Ausschüttung des Botenstoffs Histamin. Dadurch weiten sich die Blutgefäße, die Pumpleistung des Kreislaufs lässt nach, das Blut stockt. Es bleibt in Armen und Beinen, fehlt aber in lebenswichtigen Organen wie Herz, Lunge und Hirn. In der Folge fehlt den Organen Sauerstoff und es kommt zum Herz-Kreislauf-Stillstand.

Notfallset: Hilfe durch Antihistamin und Adrenalin

Bei einem anaphylaktischen Schock muss der Patient sofort Adrenalin gespritzt bekommen, um gerettet zu werden. Das Problem: Viele wissen gar nicht, dass sie gegen Wespen- oder Bienengift allergisch sind, denn eine Allergie gegen das Gift kann auch erst im Laufe des Lebens auftreten oder sich mit jedem Stich verstärken. Allergiker sollten immer ein Notfallset dabeihaben, um bei einem Stich mit Antihistamin und Adrenalin einen allergischen Schock verhindern zu können. Das Notfallset enthält einen sogenannten Autoinjektor mit einem dem Hormon Adrenalin identischen Wirkstoff, den sich die Betroffenen selbst spritzen können, um etwa eine drohende Erstickung zu verhindern. In der Regel hält solch ein Medikament ein Jahr, dann wird es ausgetauscht. Doch ausgerechnet zur Wespensaison ist der Autoinjektor ausverkauft, erst Mitte September soll er wieder lieferbar sein.

Hyposensibilisierung: Den Körper an das Gift gewöhnen

Dauerhafte Hilfe kann eine Hyposensibilisierung bringen, ein für die Patienten aufwendiges Verfahren: Drei Jahre lang bekommen sie alle vier Wochen eine geringe, langsam ansteigende Dosis Wespengift gespritzt – unter Aufsicht in der Klinik. So soll sich der Körper an das Gift gewöhnen und nicht mehr mit einem Schock reagieren. In 95 Prozent der Fälle lernt das Immunsystem so, nach einem Stich nicht mehr lebensgefährlich überschießend zu reagieren. Auch wer nicht allergisch ist, sollte einen Stich tunlichst vermeiden, denn das Gift führt bei jedem Menschen zu einer Schwellung, die bis zu zehn Zentimeter groß werden kann. Bei einem Stich in den Hals oder Mund kann der Betroffene ersticken.

Tipps zur Wespenabwehr

Die meisten Wespen sind von Natur aus nicht aggressiv. Sie greifen nur an, wenn sie sich bedroht fühlen. Es gibt eine einfache Regel: Mindestens drei Meter Abstand vom Nest halten und natürlich nicht auf ein Tier treten oder beißen, dann kann eigentlich nichts passieren.

  • Wenn es die Tiere auf ihrem Beutezug auf den Kuchen abgesehen haben, ist wegpusten keine gute Idee. Durch das Kohlendioxid im Atem fühlen sich Wespen angegriffen und gehen zur Attacke über.
  • Auch hektische Bewegungen werten sie als Angriff und verteidigen sich. Besser ist es, sie mit langsamen, bogenförmigen Bewegungen sanft zu verscheuchen.
  • Wespen orientieren sich vor allem über ihren Geruchssinn und kommen sich gegenseitig zur Hilfe. Darum sollte man nie einzelne Wespen jagen und töten. Sie strömen unter Stress einen Alarmstoff aus, der Artgenossen anlockt. Und dann bekommt man es mit immer mehr Wespen im Angriffsmodus zu tun.
  • Zur Ablenkung eine Schale mit Obst in ein paar Metern Entfernung aufstellen.
  • In einer kleinen Schale Kaffeepulver auf dem Tisch anzünden. Diesen Geruch mögen Wespen gar nicht.
  • Bunte Kleidung und Duftstoffe wie Parfüm und Aftershave locken Wespen an – besser vermeiden.
  • Nach dem Essen Hände waschen, um mögliche süße Überreste an den Fingern abzuwaschen. Sie könnten sonst Wespen anlocken.
  • Wespen mit Wasser besprühen, das simuliert Regen und sie verschwinden.
  • Nach einem Stich einen elektronischen Hitzestift aus der Apotheke anwenden. Die Geräte heizen die oberste Hautschicht kurzzeitig auf 40 bis 51 Grad auf. Die Hitze zerstört das Insektengift in der Haut innerhalb weniger Sekunden, der Schmerz lässt gleich wieder nach.
  • Wer im Mund gestochen wird, sollte bis zum Eintreffen des Notarztes Eiswürfel lutschen, um die Schwellung zu lindern.

Nester vom Dachboden nicht selbst entfernen

Wer ein Wespennest im Garten oder Dachgestühl hat, sollte sich professionelle Hilfe holen. Wespen vertilgen Fliegen und Mücken und bestäuben, genau wie Bienen, Blüten. Deshalb stehen viele Arten unter Naturschutz. Es ist verboten, ihre Nester einfach selbst zu entfernen. Und es ist gefährlich. Experten wissen genau, wie sie vorgehen müssen, um nicht gestochen zu werden, und können die Nester umsetzen.